Ein fast verschollen geglaubter früherer Top-Medienmanager meldete sich in dieser Woche zu Wort. Und seine Information zum Relaunch des Esoterik-Magazins „Visionen“ kam tatsächlich aus dem tiefsten Nirvana: Herrischried heißt die Destination des Ex-Lifestyle-Profis Uli Weissbrod. Wir konnten ihn irgendwo im Schwarzwald erreichen und ihm ein paar Fragen stellen.

Clap: Sie waren früher eher ein Großstadtmensch, leben seit Jahren aber zurückgezogen im Breisgau. Wie lebt es sich in der Medienprovinz?
Weissbrod: Nach New York – Rio – Tokio bleibt halt nur die Provinz als nächste große Herausforderung! Durch meine fünf Jahre Burda in Offenburg habe ich mich wirklich Hals über Kopf in den Schwarzwald verliebt. Mein Home-Office im „Hotzenwald“ auf knapp 1000 Meter hat einen Wahnsinns-Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Genau die richtige Inspiration für Kreativität. Und so „away from it all“ ist der Südschwarzwald nicht: ICE-Bhf. Basel und Euroairport Basel sind von meinem Carport aus 35 bzw. 40 Minuten entfernt. Wenn Berlin, München, Hamburg rufen, bin ich da …
Als Zeitschriftenmacher waren Sie jahrelang Lifestyle-Experte. Wie sind Sie denn dazu gekommen, mit dem spirituellen Magazin „Visionen“ etwas komplett anderes zu machen?
Nichts ist beständiger als der Wandel: Mein Sternzeichen ist Zwilling, und die brauchen ja Abwechslung! Ich schiebe in Zeitungsredaktionen die Online-/Offline-Vernetzung an und arbeite als strategischer Social-Media-Berater. Mein zweites Standbein heißt Relaunch oder Neukonzeption Print, das funktioniert im „Special Interest“-Segment noch richtig gut. Auf meinen Mountainbike-Touren bin immer wieder an einem kleinen Verlag mit Druckerei vorbei gebrettert. Irgendwann bin ich abgestiegen und habe angeklopft.  Für mich ein Zufall – meine Kollegen nennen es Karma – auf jeden Fall darf ich seither meine Vision von Spiritualität als freier Blattmacher für „Visionen“ umsetzen, und das hier, in einem 3000-Seelen-Dorf!
Sie waren zu den besten Zeiten „Bravo“-Boss, als die große Auflagenkrise noch weit weg schien. Mit wie viel Distanz können Sie auf diese Zeit zurückblicken?
Jeder, der in den großen „Bravo“-Zeiten mit großer Leidenschaft für den Titel gearbeitet und gekämpft hat, schaut heute mit Wehmut auf den Status Quo. „Bravo“ ist – oder vielleicht muss man besser sagen – war eine ganz, ganz große Marke. Es ist schade, dass der Verlag nicht vor fünf, sechs Jahren radikal an einem Überlebensplan geschraubt hat. So bleiben eventuell nur die „Bravo“-Allstars auf Facebook übrig:-)
(Daniel Häuser) Foto: Uli Weissbrod (privat)/Unternehmen