Nobeo-Chef Stefan Hoff bringt an diesem Wochenende wieder als technischer Dienstleister das RTL-Format „Menschen, Bilder, Emotionen“ in die Wohnzimmer. Das Format gibt es schon seit so vielen Jahren. Warum es in diesem Jahr anders wird als sonst, erzählt der TV-Fachmann in seinem Kommentar für Clap.

Es ist nun genau zwei Jahre her, dass ich an dieser Stelle von meiner Vorliebe für TV-Jahresrückblicke berichtet habe. Von der liebgewonnenen, vorweihnachtlichen Tradition vor dem Fernseher auf das Gelebte der vergangenen zwölf Monate zurückzublicken. Von dem wunderbaren Ritual, das nicht nur Unterhaltung für einen Abend bedeutet, sondern die Chance inne hat, Altes abzuschließen, bewegende Nachrichten mit dem gewonnenen Abstand final zu bewerten und auch, um neue Pläne und Vorhaben für das noch ganz und gar unbeschriebene, bevorstehende Jahr zu fassen.

Wenn nun am kommenden Sonntag das zweite Kerzchen leuchtet und der erste große TV-Rückblick auf 2020 wieder einmal Millionen Zuschauer vor den Bildschirm lockt, freue auch ich mich erneut auf diesen Moment. Ich bin gespannt auf das Erinnern an zahlreiche kleine oder auch größere Geschichten, die sich im Laufe des Jahres in meinem Gedächtnis festgesetzt haben. Oder auch auf jene bewegenden Schlagzeilen, die trotz ununterbrochener Informationsflut vielleicht sogar an mir vorbei gerauscht sind.

Es gibt nur ein Thema in 2020? Nur eine Herausforderung, weltweit? Es ist kein Raum für anderes? Für heiteres, überraschendes? Man mag den Eindruck haben, dass dem so ist. Vieles hat sich im Laufe der letzten Monate verändert. Für alle, egal welchen Alters. Die erforderliche Neuordnung oder Umstrukturierung des beruflichen und privaten Lebens ließ niemanden unberührt und so teilt man rückblickend in 2020 möglicherweise doch mehr Gemeinsames mit seinen Mitmenschen als jemals zuvor.

Was ist wichtig und was nicht? Welche Prioritäten gehört es sich in sämtlichen Lebensbereichen zu setzen? Diese Fragen zählen sicher zu den heißdiskutiertesten des Jahres. Die manchmal doch so offensichtlichen Antworten darauf sollten unsere Gesellschaft langfristig zu einem besseren, positiveren Miteinander führen. Welche Berufszweige und Menschen daher in den Geschichtsbüchern für das Jahr 2020 in das Rampenlicht gehören, ist in meinen Augen unumstritten.

In den Jahresrückblicken der TV-Sender möchte ich aber mehr! Nach all den Veränderungen sehne ich mich nach einem Stück Normalität, wünsche mir die gewohnte redaktionelle Routine. Ich möchte kuriose Geschichten sehen und hören. Die Hits des Jahres mitsummen. Staunen, schmunzeln und mitfühlen Ich möchte etwas über Menschen erfahren, die schier unglaubliches berichten können und mich dann anhand des Happy Ends all dieser

Ereignisse auf ein glückliches Ende für uns alle freuen. Ablenkung und Zerrstreuung vom Alltag schafft die nötige Gelassenheit, um sich mit einer Portion Hoffnung auf die noch bevorstehende Zeit einzulassen. TV-Produktionen können heute vielleicht mehr denn je zur Stimmungslage der Zuschauer beitragen. Eine Aufgabe, der mit Verantwortung, Respekt und höchsten Ansprüchen an die eigene Arbeit entgegengetreten werden sollte.

In jeder Krise steckt eine Chance? Wann, wenn nicht jetzt, hat die Unterhaltungsbranche die Möglichkeit, ihre Konsumenten mit gut gemachten Angeboten und Programmen zu begeistern und sie – vielleicht auch wieder neu – langfristig an sich zu binden. Meine Weihnachtswünsche an die Bewegtbildbranche lauten daher: Habt mehr Mut, investiert noch mehr Kreativität und Überzeugung in und für das tägliche Tun. So bleibt das wärmende Gefühl des klassischen Fernsehens oder der Streaming-Angebote als sinnbildliches, emotionales „Lagerfeuer“ in den eigenen vier Wänden nicht nur in Krisenzeiten ein verlässlicher Anker.

Foto: TVNOW / Frank Hempel

Stefan Hoff ist Geschäftsführer des technischen Dienstleisters Nobeo TV und Vorstandsvorsitzender des TV-Verbands VTFF. Er schreibt regelmäßig für Clap.