In rund 14 Tagen bahnt sich in Österreich ein großes Medienereignis an – der Untersuchungsausschuss zum Thema ÖVP-Korruption kommt. Die Oppositionsparteien der Alpenrepublik haben diesen Vorgang einberufen – SPÖ, FPÖ und Neos. Es geht dabei um Postenschacherei und um mögliche Machenschaften beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Dafür wurden bereits unglaublich viele Aktenberge herbeigeschafft. Es gibt bereits jetzt mehr Material als beim Ibiza-Untersuchungsausschuss. Im Parlament seien 204 Datenträger angekommen, schreibt der Wiener Standard, nur einer dieser Datenträger kann allein 189.000 Akten beinhalten.

Doch wer vertritt dabei die Interessen der ÖVP? Der großen Flut an Informationen kann wohl nur ein ausgefuchster Journalist Herr werden: Es ist Georg Streiter, der frühere „Stern“-Journalist und Ressortleiter Politik der „Bild“-Zeitung. Bekannt geworden ist der gebürtige Luxemburger durch die vom ADC ausgezeichnete „Bild“-Schlagzeile „Wir sind Papst“. Er soll für die „Türkisenen“ die Kastanien aus dem Feuer holen. Streiter ist wahrscheinlich deswegen der richtige Mann für den Job, weil er auch auf hoher politischer Ebene tätig war – unter der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel war er jahrelang Vize-Regierungssprecher und Medienexperte.

Streiter muss den heiklen Auftrag offensichtlich nicht allein erledigen. Das Mandat hält nicht Streiter direkt, sondern Storymachine. Die Agentur von Philipp Jessen und Kai Diekmann war bereits im Bereich der Krisenkommunikation tätig, beriet aber beispielsweise auch Volkswagen-Chef Herbert Diess bei seinen Social Media-Aktivitäten. Der neue ÖVP-Auftrag wird womöglich strapaziös, Streiter muss sich auf einige Wochen harte Arbeit gefasst machen. Der österreichische „Kurier“ berichtet bereits von einem raueren Tonfall als bei einem Untersuchungsausschuss im Berliner Politikbetrieb. Streiter arbeitet deswegen direkt in Wien an der Kommunikationsstrategie. (dh)