Heute morgen machte Andreas Weck bei T3N.de mit einer eigenwilligen These auf sich aufmerksam: Posts auf LinkedIn seien oft nur geltungsbedürftiger Nonsens. Zumindest ist das so, wenn man es nicht richtig anstellt, meint dagegen der Kommunikationsexperte Klaus Eck. Kaum ein Branchenteilnehmer hat sich in letzter Zeit so intensiv mit dem Karrierenetzwerk beschäftigt wie er: 365 Tage am Stück auf LinkedIn Schreiben hieß seine Challenge, aus der letztlich auch ein Buch hervorgegangen ist. Für Clap hat Eck die wichtigsten Tipps speziell für die Kommunikationsbranche aufgeschrieben:

LinkedIn ist kein Freizeitvergnügen, sondern richtige Arbeit für die professionelle Kommunikation in Medienunternehmen. Es kostet Zeit und bringt nur etwas, wenn auf der Businessplattform strategisch vorgegangen wird. Einige Ratschläge, wie Sie auf LinkedIn Ihre Reputation schützen und dabei erfolgreich sind.

Tipp Nummer 1: Bevor Sie auf LinkedIn Ihre Aktivitäten ausbauen, sollten Sie sich klare Ziele setzen und überlegen, was Sie auf dieser Business-Plattform eigentlich erreichen wollen. Ansonsten verschwenden Sie schnell Ihre Arbeitszeit.

Tipp Nummer 2: Sobald Ihre persönliche Content-Strategie steht, können Sie Ideen sammeln und diese als Inspirationsquelle für Ihre Content-Creation auf LinkedIn nutzen. Zwei bis vier Postings im Monat mit jeweils rund 1.400 Zeichen sind ideal und werden vom LinkedIn Algorithmus unterstützt. Wer hingegen nur Beiträge anderer shared, macht sich zum unpersönlichen Klonkrieger. Mit Copy & Paste ist noch nie jemand erfolgreich gewesen. Reputation ist unkopierbar. Sie will verdient werden.

Tipp Nummer 3: Einfach machen, bringt auf LinkedIn denkbar wenig und vernichtet nur Arbeitszeit. Trennen Sie lieber Ihre Lesezeiten von den aktiven Zeiten auf LinkedIn, sonst verlieren Sie sich im Newsfeed und auf diesem Netzwerk, weil alles so spannend ist. Sollte Ihr Newsfeed keine guten Ideen liefern, weichen Sie lieber auf Hashtags aus. Abonnieren Sie 3 zentrale Hashtags. Ihre Abos sehen Sie unten links unter Gruppen und Events beim Aufrufen von LinkedIn. Nach dem Anklicken eines Hashtags sehen Sie Ihre Newsfeed-Alternative, in der sich alle Beiträge um Ihren Hashtag drehen.

Tipp Nummer 4: Das Vertrauen in Ihren Content wächst, wenn Ihre Kontakte Ihre Interessen einordnen können und diese seriös wirken. In der Regel wollen andere Ihre Persönlichkeit kennenlernen, vorausgesetzt Sie posten nicht ständig Cat Content und berichten immer über Ihre Erfolge als Überflieger. Dennoch sollten Sie sich auf LinkedIn nicht nur rein fachlich positionieren, sondern Ihre persönliche Haltung zu einzelnen Themen durchscheinen lassen.

Tipp Nummer 5: Wenn Sie spannende Inhalte auf LinkedIn entdecken, sollten Sie diese Inspiration über die drei Punkte, die oben rechts über dem Beitrag stehen, speichern. Anschließend finden Sie ihn auf LinkedIn unter “Ihre Elemente” (linker Kasten) wieder und können ihn jederzeit für die eigene Content Creation verwenden. Auf diese Weise können Sie Ihre persönliche Content Strategie verfeinern oder durchs reine Kopieren ruinieren. Verzichten Sie hierbei auf Content Klau.

Tipp Nummer 6: Leider mögen viele Kommunikator:innen keine Selbstdarstellung und ignorieren deshalb oft den Infobereich im LinkedIn-Profil. Ihre Kontakte müssen Sie schon gut kennen, um Ihnen auf LinkedIn zu vertrauen. Nehmen Sie sich Zeit für Ihr persönliches Profil und füllen Sie es vollständig aus, damit es auf Ihre Reputation einzahlt. Hierbei profitieren Sie vom Infobereich, in dem Sie sich selbst ausführlich vorstellen können. Idealerweise zeigen Sie sich dabei von Ihrer professionellen und persönlichen Seite. Wie wollen Sie wahrgenommen werden? Wie sollte ein:e Moderator:in Sie vor Ihrem Vortrag vorstellen? Die Antwort können Sie in der Infobox präsentieren und sich blamieren, wenn Sie maßlos übertreiben.

Tipp Nummer 7: Falls Sie auf LinkedIn viel zu viele schlechte Inhalte wahrnehmen, sollten Sie dem nicht nacheifern und es genauso machen. Orientieren Sie sich lieber an den besten Beiträgen Ihrer Timeline und verfassen Sie Postings zu Ihren Fachthemen, die uns nicht langweilen.

Tipp Nummer 8: Statt als Besserwisser:in über alles Bescheid zu wissen, sollten Sie sich weder als Fußballtrainer:in, noch als Virolog:in oder Militärstrateg:in gerieren, sondern über Ihre zwei bis drei Fokusthemen berichten. Generalist:innen haben es schwer auf LinkedIn. Besser ist es, nur die Spitze des eigenen Content-Eisbergs zu zeigen und sich darüber zu profilieren. Eine gute Positionierung beschränkt sich auf das Wesentliche und macht Sie mit dieser Expertise gut sichtbar.

Tipp Nummer 9: Kommentare sind auf LinkedIn völlig unterschätzt. Darüber können Sie sich selbst sichtbarer machen. Wenn Sie einen Beitrag veröffentlichen wollen, ist es sinnvoll, kurz zuvor auf andere Postings mit Kommentaren zu reagieren. Vorsicht: Wer dabei provoziert oder gar pöbelt, macht sich schneller sichtbar, aber nicht unbedingt beliebt. Anschließend spielt der Algorithmus Ihr Content-Stück bevorzugt an diejenigen aus, die mit Ihnen interagiert haben. Aber auch nach Ihrem Posting sollten Sie auf die meisten Kommentare in den ersten Stunden zeitnah reagieren, dann erhält Ihr Beitrag einen richtigen Booster und die Viewzahlen steigen mit dem Engagement Ihres Netzwerks.

Tipp Nummer 10: Wenn jemand Ihr Profil besucht hat oder Ihre Beiträge kommentiert, können Sie darauf reagieren. Allerdings mit etwas Zurückhaltung. Sie müssen demjenigen nicht sofort per Inmail eine Kontaktanfragen zusenden. Schauen Sie sich Ihre Besucher:innen lieber erst einmal an und kommentieren Sie deren Inhalte, wenn diese Ihnen gut gefallen. Auf diese Weise können Sie Ihr Netzwerk besser ausbauen, als durch voreilige und übergriffige Kontaktanfragen. Lernen Sie sich erst einmal kennen, bevor Sie jemanden offensiv in Ihr Netzwerk einladen.

Eck und sein Corporate-Influencer-Buch, welches Ende Februar im Redline Verlag erschien.

Fotos: Raimund Verspohl, Verlag