In der Krise wollte die Moderatorin Aline von Drateln (Mitte) Gutes tun und fremde Kinder betreuen. „Ich biete ab Mittwoch ehrenamtlich Kinderbetreuung an für Betroffene der #Schulschliessungen in Prenzlauer Berg/Mitte“, schrieb Sie auf ihrem Twitter-Kanal. Es haben sich darauf hin zwar nur zwei Mütter gemeldet, aber dafür die Medien Sat.1 und die „Zeit“. Auf Umwegen schaltete sich dann sogar noch der nunmehr sehr bekannte Virologe Christian Drosten ein in die Diskussion.

Hätten Sie gedacht, dass Ihr Angebot zu einem solchen großen Thema wird?

Aline von Drateln: Mein spontaner und absolut ernst gemeinter Tweet erhielt binnen weniger Stunden mehr als 6000 Likes. Das freute mich sehr, weil ich ja wirklich einfach nur helfen wollte! Dass so viele Medien darauf anspringen, hat mich allerdings noch mehr überrascht. Überhaupt nicht gerechnet hatte ich dagegen mit den Trollen, die sich ausschließlich an meinem Nachnamen abarbeiteten.

Es scheitert ja nun daran, dass gerade jetzt keine Kinder zusammenkommen sollen, die bisher nichts miteinander zu tun haben. Würden Sie ihr Angebot jetzt eigentlich gern anders formulieren?

Aline von Drateln: Eine Corona-Stunde entspricht 100 gewohnten Stunden. In der vergangenen Woche waren Erkenntnisse aus den Morgennachrichten abends schon wieder überholt. Andere wussten einige Stunden früher als ich, dass die Betreuung fremder Kinder in neuen Gruppen leider keine gute Idee sei. Andere fragten mich noch Tage später, warum ich denn jetzt keine Kinder von Krankenschwestern einlade, und ob das ganze nur ein PR-Gag gewesen sei.

Statt Kinderbetreuung machen sie jetzt die Home-Show „Quarantainment“. Das machen gerade auch Matze Knop, Sebastian Puffpaff oder Mark Forster. Was unterscheidet ihre Sendung von diesen Corona-Homeshows?

Aline von Drateln: Na ja, ich habe ja selbst Kinder, d.h. ich mache beides – den ganz normalen Wahnsinn einer working-mom im home-office! Im Gegensatz zu Knop und Co. sind wir drei keine Comedians, sondern Journalisten: Wir wollen unterhalten, aber gleichzeitig interessante Interviews mit unseren via Skype zugeschalteten Gästen führen, damit die Zuschauer ein wenig besser gelaunt und ein wenig klüger aus der Sendung gehen – ohne dass Sie es gleich merken. „Nudeln & Klopapier“ ist quasi der Alkopop unter den Wohnzimmer-Formaten!

Sie bieten ja nun echte Einblicke in ihr Wohnzimmer. Räumen Sie jetzt jeden Tag gewissenhaft auf?

Aline von Drateln: Bei mir sieht es immer so aus! Andere Moderatorinnen geben ihr Geld für vielleicht für Autos oder Brüste aus. Ich habe beides nie besessen. Sondern immer alles in meine Wohnung gesteckt. „My home is my castle“ und jetzt auch mein TV-Studio.

In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel haben Sie geschrieben „eine Branche liegt brach“. Sie meinten damit die Branche der Moderatoren. Warum ist eigentlich die aktuelle Situation für bestimmte Moderatoren schwieriger?

Aline von Drateln: Seit mein letzter TV-Auftraggeber SKY mein Kinoformat „Kinopolis“ über Nacht eingespart hat, habe ich als Veranstaltungs-Moderatorin gearbeitet, d.h. auf der Bühne durch Preisverleihungen und Panels geführt. Mein Job ist, vor vielen Menschen zu sprechen. Das geht gerade natürlich nicht. Allerdings sind Gottschalk, Jauch und Pocher seit dem AUS ihrer „QuarantäneWG“ gerade vermutlich auch gerade ohne Auftrag. 

Sie waren lange Zeit bei Sky Deutschland und moderierten unter anderem das Kinomagazin Kinopolis. Hätten Sie noch ein paar Ideen, was der Sender, der gerade ohne Fußball auskommen muss, gerade so alles anstellen könnte?

Aline von Drateln: Sich „Sky Gold“ nennen und meine alten Kinopolis-Folgen wiederholen! Und kreativen Teams wie uns ihr teures Equipment vererben.

Wer sich die vor kurzem erschienene letzte Folge von „Nudeln und Klopapier“ anschauen möchte wird hier fündig:

 

Interview: dh

Foto: Screenshot