Seit fast einem Vierteljahrhundert erklärt Markus Koch dem deutschen Kleinsparer die große Börsenwelt und musste dabei – beruflich wie privat – manche Baisse überstehen. Eine schwierige Kindheit formte einen komplexen Typen, den es unbändig zur Freiheit und mehr noch zum Geld drängte. Das Portrait von Clap-Reporter Bijan Peymani ist die Titelgeschichte von unserem neuen Clap-Magazin. Von dem Sie hier Auszüge lesen können.

Nur die mittlere Reife in der Tasche, hoch verschuldet und praktisch mittellos, floh Koch mit Anfang 20 in die USA. Er wollte den amerikanischen Traum leben. Es war sein persönlicher Traum. Koch quälte dafür sich und andere. Mit Hartnäckigkeit und viel Fleiß gelang es dem passionierten Jazz-Pianisten, sich in der internationalen Finanzwelt zu behaupten. Was noch im Teenager-Alter auf eine Faust’sche Tragödie zuzulaufen drohte, entpuppte sich für den heute 49-Jährigen im Rückblick als wahre Bestimmung: „Ich habe Börse nie präsentiert“, erklärt Koch im aktuellen Clap-Titelportrait, „ich habe Börse immer gelebt.“

Tatsächlich gibt er der New York Stock Exchange bis heute ein Gesicht. Einem breiten Publikum weniger bekannt dürfte sein, dass Koch seit einigen Jahren intensiv an einer zweiten Karriere als Social-Media-Unternehmer arbeitet. Eigens hierfür hat sich der Familienvater, der mit dritter Frau und gemeinsamer Tochter in Montclair/New Jersey lebt, in seinem New Yorker Büro in Lower Manhattan ein Studio gebaut. In aufwändigen Produktionen und Live-Streams will Koch Börsen-Laien mit Börsen-Profis verbinden.

Seine Mission lautet, ein tieferes Verständnis für die Arbeit derer zu vermitteln, die tagtäglich mit Millionen und Abermillionen hantieren. Wie sie ticken, was sie dabei fühlen – auch und gerade in Momenten, in denen es einmal nicht läuft, in denen sie sich verspekuliert haben. Wenn sie dann mit sich hadern und an sich zweifeln, wenn sie bedauern und bereuen. Beispielhaft dafür steht die 2017 für DWS Investments produzierte Web-Serie „Ach du liebes Geld“ über die Psychologie des Anlegens und von Anlegern. Über Youtube und Facebook zog sie zusammen acht Millionen Zuschauer in ihren Bann und war damit im deutschsprachigen Raum eine der meist gesehenen Web-Serien über die Finanzmärkte. Überragender noch war der Erfolg der Web-Show „Auf der Couch by Markus Koch“. Hierfür hat ihn die Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung 2017 für herausragenden Wirtschaftsjournalismus ausgezeichnet.

Ein Jahr später, von Oktober 2018 bis November 2019, tourte Koch mit dem Offline-Ableger „Auf der goldenen Couch“ durch Deutschland, etwa in Jazz-Clubs oder kleinen Theatern. Die Zahl seiner Abonnenten und Follower auf den diversen Social-Media-Kanälen nimmt sich für ihn bisher allerdings nur in der Gesamtsumme beeindruckend aus. Kochs Youtube-Videos erreichen inzwischen immerhin gut 25.000 Aufrufe, auf Facebook hat er um die 35.000 Abonnenten.

Vor allem der Twitter-Account ist mit knapp 6.000 Followern aber noch ausbaufähig. Wie einst, als der junge, nassforsche Bursche im richtigen Moment am richtigen Ort war, um in einem schier endlos anhaltenden Bullenmarkt bedeutsam zu werden, scheint er jedoch auch dieses Mal früh die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Dabei hilft Koch sein Lebensmotto, das ihn vor allem in schwierigen Phasen stets über der Wasserlinie hielt: „Onward forward“, „weiter, immer weiter“ – so enden übrigens bis heute auch die meisten seiner E-Mails.

Text: Bijan Peymani

Fotos: Alyssa Ringler