Vergünstigungen in Fitness-Studios werden in Unternehmen ja oftmals angeboten. Was es aber ganz und gar nicht mal so oft gibt in der Medienszene sind spezielle Trainingseinheiten für die Mitarbeiter, die zusammen mit einem professionellen Team umgesetzt werden. So läuft das aber schon seit einiger Zeit beim Grünwalder Sender RTLzwei.

Dort trainiert eine frühere Managerin des Senders, Nadja Raoufi, immer an einem bestimmten Tag in der Woche, die Angestellten. Natürlich muss keiner zu diesem Fitnesstreff kommen. Trotzdem wird er meistens ganz gut besucht, wie Clap bei einem Vor-Ort-Besuch festgestellt hat.

Die Fitnesseinheit geht genau eine Stunde. Es wird mit Gewichten und motivierender Musik trainiert, die nicht nur im RTLzwei-Hof klar vernehmbar ist. Für blutige Anfänger ist der Fitnesskurs von Raoufi schon eine Herausforderung, schon nach einer Viertelstunde wird bei manchem die Luft knapp, wie auch der Clap-Chefredakteur feststellen musste. Die winterlichen Temperaturen spielten deswegen bei unserem Testtraining schnell nur eine Nebenrolle.

Fitnesstrainerin Raoufi hat sich mit dem Fitnessunternehmen OpenGymMunich vor Jahren selbstständig und damit ihr Hobby zum Beruf gemacht. Ihre interessante Geschichte, wie und warum sie sich aus den Medien verabschiedet hat, steht im aktuellen Clap Magazin. Bei ihrem eigenen OpenGymMunich-Unternehmen hat sie mittlerweile sieben Mitarbeiter. Wir haben sie zu ihrer Unternehmung befragt.

Frau Raoufi, wie sind Sie zum Thema Firmenfitness überhaupt gekommen?

Unser Türöffner für Firmenfitness war RTLzwei. Das war die erste Firma, bei der wir Corporate Fitness anbieten durften. Mittlerweile sind wir dort seit über drei Jahren, haben gemeinsam die Pandemie durchgesportelt und eine super Mitarbeiterbasis aufgebaut. Unser Ziel ist es, noch mehr Menschen den Spaß an Bewegung zu vermitteln. Egal ob Privatpersonen oder Mitarbeitern in ihren Unternehmen. Wir sind der Meinung „jeder kann Sport“ und jeder ist sportlich, man muss nur das Richtige finden.

Raoufi bei einer Trainingseinheit an der Münchner Oper.

Wir wollen noch mehr ins betriebliche Gesundheitsmanagement einsteigen. Wie bisher mit Vorträgen zu Gesundheit, Stress, Bewegung und Sporteinheiten.

Welche einfache Übung für gestresste Medienmanager würden Sie denn besonders empfehlen?

Raoufi: Mein Motto ist, die beste Übung ist die, die man auch tatsächlich macht. Wenn das Treppensteigen statt Aufzugfahren ist – super. Wenn das die Runde um den Block in der Mittagspause ist – toll. Es geht im Endeffekt darum, möglichst viel Bewegung in den Alltag einzubauen. Das ist schon mal ein guter Anfang. Wenn man es dann noch regelmäßig zu einer Functional Training Session schafft, die ganzheitlich dafür sorgt, den Körper für den Alltag, die Arbeit und alles was man sonst so macht vorzubereiten und auszustatten, super! Deswegen sind wir bei OpenGymMunich so große Fans von Firmenfitness. Wenn das Workout praktisch auf dem Heimweg vor der Bürotür stattfindet, sind ganz viele Schweinehunde schon mal aus dem Weg geräumt. Ansonsten finde ich es vor allem für gestresste Medienmanager und Menschen mit sehr fordernden Berufen wichtig, auch mal den Kopf auszustellen, das Nervensystem runterzufahren und auf andere Gedanken zu kommen.

Wie groß schätzen Sie den „Fitnessbedarf“ für die Kommunikationsbranche im Allgemeinen ein?

Raoufi: Riesig! Unsere ständigen Begleiter und mobilen Büros, auch Smartphones genannt, lassen uns auf der einen Seite schwer abschalten und fordern uns auf der anderen Seite wirklich was ab. Um belastbar zu sein für diesen stressigen Alltag gehört Fitness für mich ganz klar dazu. Sport sorgt nicht nur für körperliche Fitness, sondern hat einen immensen Einfluss auf unsere mentale Gesundheit und die fällt nicht nur in der Kommunikationsbranche allzu oft hinten runter. Ob wir durch Sport lernen abzuschalten, mal auf andere Gedanken zu kommen oder unseren Kopf neu zu sortieren, bei all dem kann Bewegung helfen. Bewegung fördert außerdem unsere Kreativität und hilft unserem Gehirn, neue Lösungen für Herausforderungen zu finden. Ganz abgesehen davon, dass unser Immunsystem einen Boost bekommt und wir unsere Resilienz schulen.

Haben Sie auch Ideen, wie Sie Einsteiger gewinnen können, die bislang einen großen Bogen um Training im Allgemeinen gemacht haben?

Raoufi: Das ist unsere Spezialität 😉 In unseren Augen ist jeder Mensch sportlich. So sind wir evolutionär designt. Aber leider wird den meisten von uns schon in der Schule suggeriert „du kannst das nicht“, „du bist nicht sportlich“, nur weil der Handstandüberschlag nicht die eigene Paradedisziplin ist. Aber tatsächlich geht es doch darum, eine Form der Bewegung zu finden, die ganz subjektiv Spaß macht. Und vielleicht sogar noch wichtiger: ein Umfeld zu finden, in dem man sich gerne bewegt und zeigt, wo man sich wohlfühlt und traut. Ohne Judgement, egal wie „gut“ oder nicht so gut man eben ist. Wo man hingehen kann und auf seinem eigenen individuellen Fitnesslevel trainiert. Wo Sport nicht so Ernst genommen wird, wo der Spaß im Vordergrund steht und man ganz nebenbei noch wahnsinnig fit wird. Ein offenes Umfeld, wo jeder willkommen ist und wo der Triathlet mit dem Neueinsteiger trainiert.

Was ist der Vorteil eines Gruppentrainings?

Raoufi: Training und vor allem an diesem Training auch dauerhaft dran zu bleiben hat ganz viel mit Community zu tun. Den Schweinehund überwinden ist in der Gruppe viel einfacher als alleine. Und wenn man dann plötzlich Teil etwas viel Größeren ist, Teil einer Workout-Crew, fällt einem auf einmal auch das frühe Aufstehen bei Wind und Wetter gar nicht mehr so schwer. Weil man weiß, dass Gleichgesinnte am Start sind und danach alle gemeinsam vor der Arbeit noch kurz zum Kaffeetrinken gehen.

Fotos: Hans-Jürgen Rösl, Jörg Neunecker, dh

 

Last Updated on 16. Dezember 2022 by Daniel Häuser