Das Leib-und-Magen-Blatt des russischen Despoten Wladimir Putin gibt es in Deutschland ab sofort nicht mehr. Der Verlag hat die Belieferung in Deutschland ohne Angaben von Gründen mit sofortiger Wirkung eingestellt, heißt es in Vertriebskreisen. Das letzte Mal kommt die „Komsomolskaja Prawda“ am heutigen Tag an deutsche Kioske.

Die „Komsomolkskaja Prawda“ ist in politischen Kreisen hierzulande wahrlich kein unbekanntes Medium. 2005 schrieb der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder sogar einen Gastbeitrag. Mit 27 Millionen Toten habe kein anderes Land den Sieg über Hitler-Deutschland so teuer bezahlen müssen wie die damalige Sowjetunion, schrieb er in der russischen Zeitung: „Auch heute bitten wir um Vergebung für das, was dem russischen Volk und den anderen Völkern von Deutschen in deutschem Namen zugefügt wurde“, so Putin-Freund Schröder damals. Beim Nawalny-Konflikt vor einigen Jahren verbreitete die „KP“ offensichtlich Falschinformationen. Das kann nun auf dem Printweg erstmal nicht mehr passieren.

Russische Medien in Deutschland sorgten erst in letzter Zeit immer wieder für Schlagzeilen. Vor allem ging es um den Fernsehsender RT DE. Die Zulassungs-Kommission der Medienanstalten ZAK verboten die Verbreitung des Programms des russischen Senders. Grund dafür war die fehlende Sendelizenz. Und gerade sorgt der YouTube-Kanal Infrared für erhebliche Aufregung („Tummelpatz für Putin-Fans“). Jedenfalls ist mit dem Wegfall der „Komsomolskaja Prawda“ ein weiteres russisches Propaganda-Medium in Deutschland nicht mehr zu bekommen.

Die Zeitung erscheint übrigens in ganz Osteuropa und Zentralasien. Das Sprachrohr der früheren staatlichen Jugendorganisation der UdSSR (Komsomol) hat eine lange Geschichte und wurde bereits 1925 gegründet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1990 wandelte sich die Zeitung zu einem modernen Boulevardblatt. Bis heute ist es der auflagenstärkste Titel in Russland. (dh)

Foto: Press Service of the Russian Federation